Mehr Lebensraum für Menschen statt noch mehr Platz für Autos

Karte Bauprojekt Osttangente Jena
Die Stadt Jena plant eine vierspurige Straße durch die Innenstadt („Osttangente“) für ca. 30 Mio. €. Weil das die Lebensqualität in der Innenstadt weiter verschlechtert, es gegen das Ziel „Jena klimaneutral bis 2035“ wirkt und das Geld an anderer Stelle dringend benötigt wird, haben Jenaer*innen eine Bürgerinitiative gegründet, die dieses Projekt verhindern will.

Das Problem: Stau.
Durch Jenas Innenstadt quälen sich täglich tausende Autos: auf der B7 den Fürstengraben entlang und auf der B88 von der Angerkreuzung über den Eisenbahndamm bis zur Stadtrodaer Straße. Aktuell entstehen vor allem im Berufsverkehr Überlastungen und längere Wartezeiten. Das nervt die Autofahrenden und belastet die Innenstadt mit Lärm und Abgasen. Außerdem entsteht auf dem Inselplatz ein neuer Universitätsstandort, sodass in Zukunft viel mehr Menschen den östlichen Löbdergraben queren werden.

Die Lösung: Straßenbau?
Die Stadt Jena plant den vierspurigen Ausbau der Straßen Am Anger und Am Eisenbahndamm zwischen Käthe-Kollwitz-Straße und Kreuzung Stadtrodaer Straße. Damit soll mehr Platz für Autos geschaffen und so das Verkehrsproblem gelöst werden. Der mehrjährige Bau der sogenannten „Osttangente“ wird in wenigen Jahren beginnen. Sie soll auch den Verkehr des östlichen Löbdergrabens aufnehmen, damit dieser verkehrsberuhigt werden kann.

Leider nicht.
Auf den ersten Blick plausibel: Dank mehr Platz für Autos weniger Stau. Leider belegen zahlreiche Studien, dass mehr oder breitere Straßen selbst neuen Verkehr erzeugen – weil Menschen dann dort entlang fahren, die es vorher nicht getan haben. Im Ergebnis ist die Situation wie vor dem Bau der Straße: Langsames Vorankommen und viel Stress – nur mit noch mehr Lärm und Abgasen. Auch ist dann die Verkehrsberuhigung des östlichen
Löbdergrabens nicht mehr sicher möglich.

Die „Osttangente“ ist eine politische Fehlplanung:

  1. Jena sieht sich gern als Leuchtturm – die Leuchtturmstädte dieser Welt sind jedoch längst dabei, mehrspurige Straßen in ihren Zentren zurückzubauen. Berlin, London, Barcelona machen es vor: Indem der Autoverkehr in der Innenstadt reduziert und mehr Flächen für die Menschen gestaltet werden, verbessert sich die Lebensqualität. Vierspurige Straßen sind nicht mehr die Zukunft.
  2. Die Planung beruht auf veralteten Gutachten und falschen Zahlen. Es wird nicht berücksichtigt, dass eine größere Straße mehr Verkehr erzeugt. Die Umweltauswirkung der neuen Straße wurde nicht ausreichend analysiert, zahlreiche Annahmen können von der Stadt nicht belegt werden. Es entsteht der Eindruck, dass hier ungeachtet berechtigter Kritik Fakten geschaffen werden sollen.
  3. Der Bau der Osttangente ist derzeit mit ca. 30 Mio. Euro veranschlagt, aber mit weiteren Kostensteigerungen ist zu rechnen. Auch wenn der Bau zum Teil aus Bundes- und Landesmitteln finanziert wird, ist klar: Hier wird ein tiefer Griff in die Kassen des Jenaer Haushalts notwendig sein. Geld, das auch in Kindergärten, Schulen und soziale Projekte investiert werden könnte.
  4. Der Stadtrat hat beschlossen, dass Jena bis 2035 klimaneutral werden soll. Der Bau der Osttangente nimmt nicht nur erhebliche finanzielle Mittel in Anspruch, die eigentlich dringend für die Umsetzung dieses Ziels benötigt werden. Die Osttangente wird auch den Treibhausgas-Ausstoß im Jenaer Verkehr nicht senken, sondern sogar erhöhen– und steht damit dem eigenen Stadtratsbeschluss entgegen.
  5. Nicht zuletzt wird die vierspurige Osttangente mehr trennen als verbinden: die Innenstadt von der Saale, von der Landfeste, von Jena Ost, vom Wiesencenter. Es ist an der Zeit, die autozentrierte Stadtplanung aufzugeben und endlich eine Innenstadt zum Wohlfühlen für alle aufzubauen!

Klar ist: Jena braucht ein anderes, ein modernes Konzept für den Verkehr in der Innenstadt

  • Durch den Ausbau von Bus und Bahn , Fuß- und Radwegen und der damit einhergehenden Verringerung des privaten Autoverkehrs ist auf den Straßen mehr Platz für diejenigen, die das Auto wirklich brauchen.
  • Die Saalbahn (Naumburg- Saalfeld) braucht wie eine S-Bahn einen dichten und regelmäßigen Taktfahrplan, um Pendler*innen zügig nach, von und durch Jena zu bringen.
  • Mit einem umweltfreundlichen Mobilitätskonzept für die Innenstadt mit Fahrradstraßen und Fußgängerzonen werden die Konflikte zwischen den verschiedenen Verkehrsteilnehmenden verringert.
  • Der barrierefreie Ausbau von Haltestellen und Gehwegen schafft mehr selbstbestimmte Mobilität für Menschen mit Behinderungen und Einschränkungen. Dennoch sollen notwendige Fahrten mit dem Auto weiterhin möglich sein.
  • Durch eine Verkehrsberuhigung des östlichen Löbdergrabens, die die Innenstadt in Richtung Inselplatzcampus und Saaltor erweitert, bekommen die Menschen mehr Platz in der City – auch ohne den Ausbau der Osttangente.
  • In einer verkehrsberuhigten Stadt wird das Einkaufen attraktiv. Erfahrungen aus anderen Städten zeigen: Je mehr Fußgängerzonen, desto größer der Umsatz.
  • Mobilität muss bezahlbar sein, damit eine Teilhabe am Stadtleben für alle Menschen möglich ist. Dafür brauchen wir günstigere Preise im ÖPNV nach Vorbild des 9-Euro-Tickets.
  • Mehr Grün- und Freiflächen im Stadtgebiet lassen neue Orte von Begegnung, Austausch und Erholung entstehen und sorgen für ein angenehmes Stadtklima.

So könnt Ihr uns unterstützen

  1. MITMACHEN: Schließt Euch uns an und kommt zu unseren nächsten Treffen! Das nächste findet am 22.11.2022 20 Uhr im Grünen Haus statt. Wenn ihr immer auf dem Laufenden bleiben wollt, meldet euch auf unserem E-Mail-Verteiler an (leere Mail an osttangente-request@lists.riseup.net).
  2. EINWENDUNGEN SCHREIBEN: Sobald das Planfeststellungsverfahren beginnt, ist es möglich Einwendungen zu schreiben. Je mehr Einwendungen, desto wahrscheinlicher ist ein Stopp des Projekts. Wie das funktioniert, erfahrt ihr demnächst hier auf unserer Website.
  3. WEITERERZÄHLEN: Freund*innen, Bekannte, Kolleg*innen: Sprecht über die Osttangente und unsere Initiative!

Schick uns dein Statement

Einige Personen aus Jena haben uns bereits gesagt, was sie an dem Plan am meisten stört. Willst auch du uns mitteilen, warum die Osttangente aus deiner Sicht eine schlechte Idee ist? Dann schreib uns hier:

Deine E-Mail-Adresse wird nur für Rückfragen verwendet und niemals veröffentlicht oder weitergegeben.

Kontakt

Fürsprecher*innen

Die Osttangente verschärft das Ungleichgewicht zwischen den Verkehrsarten. Sie löst keine Verkehrsprobleme sondern verstärkt die Belastungen. Wenn Jena den Autoverkehr entlasten will, sind Investitionen in das Fahrrad, in Bus, Bahn und Lösungen für Pendelnde gefragt. Ich bezweifle, dass die Stadtpolitik, Planung und Verwaltung die Folgen ihrer Entscheidungen für die Lebensqualität in Jena ausreichend im Blick haben. Ich wünsche mir ein Jena, in dem meine Kinder leben und bleiben wollen. Deswegen unterstütze ich die Bürgerinitiative „Verkehrswende statt Osttangente“.

Prof. Dr. Mathias Wilde, Verkehrswissenschaftler, Professor für Vernetzte Mobilität an der Hochschule Coburg, VCD Ortsgruppe Jena

Wenn wir in Jena im Jahr 2035 klimaneutral leben wollen, dann geht das nur, wenn mehr Wege zu Fuß, per Rad oder mit Bus und Bahn zurückgelegt werden. Dies wird auch zu einer Entlastung des bestehenden Straßennetzes führen. Deshalb denke ich, dass neue Investitionen vorrangig die Alternativen zum Autoverkehr stärken sollten. Ein neues Straßenbau-Großprojekt passt nicht zu dieser Zielsetzung.

Stefan Jakobs, BUND-Kreisverband Jena

Die geplante Osttangente passt nicht zum vom Stadtrat beschlossenen Ziel „Jena klimaneutral bis 2035“. Damit die Stadt Jena dieses Ziel erreicht, geht es zuallererst um Verkehrsvermeidung und Verkehrsverlagerung (in Richtung ÖPNV, Radverkehr und Fußgängerverkehr) – für beides brauchen wir keine Osttangente –, und erst in dritter Linie um  neue Techniken wie Elektromobilität

Prof. Dr. Reinhard Guthke, Mitglied des Klimaschutz- und des Radverkehrsbeirates

Ein millionenschweres Investment in den motorisierten Individualverkehr wie die Osttangente kann nur zu einem führen: Noch mehr Autos in der Stadt. Eine klimagerechte und inklusive Verkehrswende hingegen kann nur durch den Ausbau des ÖPNVs und der Fahrradinfrastruktur voran gebracht werden, wofür dieses Geld viel besser investiert wäre.

Jonas, Students+ for Future Jena

Es ist in der momentanen Situation unbedingt notwendig, alle kostenintensiven Investitionsvorhaben, die den Autoverkehr unterstützen, auf den Prüfstand zu stellen, am besten ganz zu stoppen. Zuallererst die Osttangente, die etwa 30 Millionen Euro nach derzeitigem Stand kosten soll und deren Sinnhaftigkeit zu Recht angezweifelt wird. Wir müssen uns genau überlegen, wofür wir in Jena Geld ausgeben, denn auch Jenas Haushaltslage ist angespannt.

Dr. Margret Franz, Vorsitzende des Finanzausschusses des Stadtrats, Co-Fraktionsvorsitzende Bündnis 90/Die Grünen Jena

Der Ausbau von Straßen sorgt nachweisbar in erster Linie für mehr Autoverkehr. Hier gilt die Faustformel: Wer Straßen baut, wird Autos bekommen. Die Alternative: Angebote machen, die den privaten Autoverkehr reduzieren können. Zum Beispiel durch ein umweltfreundliches Mobilitätskonzept mit konsequentem Ausbau von Fahrradstraßen und Fußgängerzonen und durch bezahlbaren und barrierefreien ÖPNV. Eins der schönsten Merkmale Jenas ist seine großartige Lage inmitten idyllischer Natur. Mit einer Verkehrspolitik, die nicht pauschal fürs Auto denkt, leisten wir einen Beitrag, diese Schönheit unserer Stadt zu bewahren.

Dr. Heiko Knopf, Stv. Bundesvorsitzender Bündnis 90/Die Grünen und Fraktionsmitglied für Bündnis 90/Die Grünen im Jenaer Stadtrat, ehemals Co-Fraktionsvorsitzender Bündnis 90/Die Grünen Jena

Ich finde, mit der vierspurigen Osttangente investieren wir 30 Millionen Euro vollkommen falsch – und zwar in ein Straßenausbauprojekt, das den eigenen Zielen der Stadt, wie der Klimaneutralität bis 2035, entgegensteht. Stattdessen sollten wir das Geld jetzt in einen barrierefreien, praktischen und günstigen öffentlichen Nahverkehr stecken, Fuß- und Fahrradwege ausbauen, Park-and-Ride im Umland sowie Car-Sharing fördern, Boden entsiegeln und viel, viel mehr Stadtgrün schaffen. Damit verringern wir den Verkehrslärm und die Feinstaubbelastung in unserer Stadt, geben Lebensraum an Menschen und Tiere zurück, helfen dem natürlichen Wasserkreislauf und fördern die soziale Gerechtigkeit. Es ist an der Zeit, die autozentrierte Stadtplanung aufzugeben! Dann klappt es auch ohne die Osttangente mit der Verkehrsberuhigung des östlichen Löbdergrabens.

Pascal Zillmann, Mitglied im Klimaschutzbeirat, aktiv bei der BI „Verkehrswende statt Osttangente“ und beim Runden Tisch Klima und Umwelt Jena

Ich bin gegen die Osttangente, weil ich der wissenschaftlich fundierten Überzeugung bin, dass ein Neubau oder eine Erweiterung von Straßen primär für mehr insgesamten Autoverkehr statt für Entlastung sorgt und damit auch noch dem Klima schadet. Stattdessen braucht es eine Verlagerung des Verkehrs auf platzeffiziente Verkehrsmittel wie die Straßenbahn oder das Fahrrad. Für Investitionen in letztere sollte die Stadt ihre knappen finanziellen Mittel einsetzen, statt für sinnlose Straßengroßbauprojekte.

Justus Heuer, Mitglied im Klimaschutzbeirat & Sachkundiger Bürger im Stadtentwicklungsausschuss

Mehr Straßen führen zu mehr Pkw-Verkehr, dass ist nun mittlerweile gut bekannt.
Die Stadt platzt schon aus allen Nähten. Überall stehen Autos, meist parkend oder im Stau.
Der Platz in Jena ist durch die besondere Lage stark begrenzt, Flächen für Pkw-Verkehr konkurrieren mit Bauflächen, Erholungorten, Infrastruktur für andere Verkehrsteilnehmer (Fußgänger, Radfahrer,..).
Die Osttangente halte ich für nicht notwendig, da sich die Stadt ohnehin das Ziel gesetzt hat den PkW Verkehr deutlich zu reduzieren. Warum also noch mehr Spuren für Autos?
Das Geld sollte besser in den ÖPNV und Radverkehr investiert werden, um dort das Angebot zu verbessern.

Sebastian Supp, Bürger von Jena

Als Ärztin stören mich vor allem der Lärm und die Abgase, welche zu erheblichen gesundheitlich Schäden führen können. Als Mutter sehe ich solche Straßengroßbauprojekte aus mehreren Gründen kritisch: zum Einen möchte ich, dass die Kinder gefahrlos mit dem Fahrrad beispielsweise zur Schule fahren können. Durch das Bauen von großen Straßen wird das zunehmend schwieriger. Zum Anderen leisten wir durch die Förderung des Autoverkehrs einen weiteren Beitrag, der den Klimawandel anheizt. Ich mache mir Sorgen, in was für einer Welt meine Kinder einmal leben werden und setze mich daher für mehr Klimaschutz ein. Die Osttangente leistet hier in mehrerer Hinsicht einen gegenteiligen Beitrag: sie führt zu mehr Autoverkehr, es werden mehr Flächen vesiegelt und das imense Geld, das dafür ausgegeben wird, wird dringend für Klimaschutzmaßnahmen benötigt.

Luise Loob, Mutter und Ärztin aus Jena

Unterstützende Gruppen und Vereine

Bürgerinitiative „Lebenswertes Jena“